Arthur Fils reiste im August 2026 als eines der am höchsten eingeschätzten jungen Talente der ATP Tour nach Cincinnati, verließ Ohio jedoch mit einem deutlich veränderten Status. Mit seinem 6:3, 1:6, 6:0-Erfolg gegen Frances Tiafoe im Finale sicherte sich der 22-jährige Franzose den ersten Masters-1000-Titel seiner Karriere und zugleich den bislang größten Erfolg auf Profi-Ebene. Das Ergebnis war mehr als nur der Höhepunkt eines gelungenen Turniers. Fils hatte während einer starken Comeback-Saison bereits mehrere tiefe Turnierläufe gezeigt, und Cincinnati lieferte schließlich den Sieg, der sein Potenzial in einen messbaren Erfolg verwandelte. Damit stellt sich zwangsläufig eine größere Frage: Ist Fils inzwischen in der Lage, regelmäßig um die wichtigsten Titel im Herrentennis zu spielen? Seine Ergebnisse aus dem Jahr 2026 liefern überzeugende Argumente dafür, auch wenn zwischen dem Gewinn eines Masters-Turniers und der dauerhaften Konkurrenzfähigkeit bei Grand Slams weiterhin erhebliche Unterschiede bestehen. Die bisherigen Leistungen zeigen, dass Fils in der ATP-Spitze angekommen ist. Nun muss er beweisen, dass Cincinnati ein neuer Standard und nicht lediglich der Höhepunkt einer außergewöhnlichen Saison war.
Cincinnati machte Arthur Fils vom Hoffnungsträger zum Masters-Champion
Fils gewann die Cincinnati Open am 23. August 2026 nach einem Finale, in dem sowohl seine spielerischen Stärken als auch seine verbesserte Fähigkeit sichtbar wurden, auf Veränderungen innerhalb eines Matches zu reagieren. Gegen Tiafoe kontrollierte er den ersten Satz, verlor im zweiten deutlich den Rhythmus und antwortete anschließend mit einem 6:0 im Entscheidungssatz. Das Finale dauerte eine Stunde und 28 Minuten und brachte Fils bei seinem ersten Endspiel auf diesem Niveau direkt seinen ersten Masters-1000-Titel. Der Spielverlauf machte zugleich einen wichtigen Aspekt seiner Entwicklung deutlich. In früheren Phasen seiner Karriere konnten Frust und kurze Schwächeperioden gegen erfahrene Gegner schnell entscheidend werden. Gegen Tiafoe bedeutete das 1:6 im zweiten Satz jedoch nicht das Ende seiner Chancen. Fils stellte sich sofort neu ein, übernahm wieder die Kontrolle über die Ballwechsel und spielte sein überzeugendstes Tennis ausgerechnet in dem Moment, in dem der Titel auf dem Spiel stand. Für einen Spieler, der den Schritt vom talentierten Außenseiter zum regelmäßigen Titelkandidaten schaffen möchte, war diese Reaktion beinahe ebenso wichtig wie die Trophäe selbst.
Auch der Weg zum Titel macht diesen Erfolg besonders aussagekräftig. Cincinnati war kein Turnier, bei dem Fils von einer Reihe günstiger Gegner profitierte. Er besiegte Jiri Lehecka in drei Sätzen und überzeugte anschließend mit einem 6:3, 6:4 gegen Alex de Minaur, einen der schwierigsten Spieler der Tour, wenn es darum geht, über längere Phasen konstant Druck auszuüben. Im Halbfinale setzte sich Fils mit 6:3, 6:4 gegen Flavio Cobolli durch, bevor er im Endspiel Tiafoe bezwang. Mehrere dieser Gegner gehörten zu diesem Zeitpunkt zu den etablierten Spielern innerhalb oder knapp außerhalb der Top 20, während de Minaur und Cobolli zur Top 10 zählten. Fils musste sein Niveau daher gegen unterschiedliche Spielertypen über mehrere Tage hinweg aufrechterhalten und konnte sich nicht auf einen einzigen großen Überraschungssieg verlassen. Gerade dieser Unterschied ist entscheidend, wenn beurteilt werden soll, ob ein Durchbruchstitel wiederholbar ist. Der Lauf in Cincinnati zeigte, dass Fils mehrere hochklassige Gegner nacheinander schlagen und trotzdem noch genügend Energie und Qualität für ein Finale aufbringen kann.
Der Sieg hatte zudem eine besondere Bedeutung für das französische Tennis. Fils wurde der erste Franzose seit Jo-Wilfried Tsonga, der einen Masters-1000-Titel gewann. Tsonga hatte 2014 das Turnier in Toronto für sich entschieden. Mit 22 Jahren wurde Fils außerdem zum jüngsten französischen Masters-1000-Sieger seit Einführung dieser Turnierkategorie im Jahr 1990. Schon zuvor galt er als einer der wichtigsten Vertreter einer neuen französischen Generation, doch Cincinnati verlieh dieser Einschätzung deutlich mehr Gewicht. In der Vergangenheit erreichten mehrere französische Talente hohe Positionen in der Weltrangliste, ohne ihre besten Phasen zwangsläufig in die größten Titel umwandeln zu können. Fils hingegen verfügt nun bereits in einem Alter, in dem viele Spieler noch versuchen, sich in den Top 20 zu etablieren, über einen Masters-Titel. Das garantiert keinen späteren Grand-Slam-Erfolg, verändert aber die Grundlage der Diskussion. Er wird nicht mehr nur danach bewertet, was sein Spiel irgendwann ermöglichen könnte. Er hat bereits eines der schwierigsten Turniere unterhalb der Grand-Slam-Ebene gewonnen.
Warum der Titel von Cincinnati mehr war als nur eine außergewöhnliche Woche
Das stärkste Argument dafür, den Erfolg in Cincinnati ernst zu nehmen, liegt in dem, was Fils bereits vor seiner Ankunft in Ohio erreicht hatte. Seine Saison 2026 begann verspätet, da er sich weiterhin von einer Ermüdungsfraktur im unteren Rückenbereich erholte, die große Teile des Jahres 2025 beeinträchtigt hatte. Er verpasste die gesamte Australien-Tour und kehrte erst im Februar in Montpellier nach rund acht Monaten ohne regelmäßige ATP-Matches zurück. Dennoch stellten sich die Ergebnisse überraschend schnell ein. Fils erreichte das Finale des ATP-500-Turniers in Doha, das Viertelfinale in Indian Wells und das Halbfinale beim Masters in Miami. Auf Sand gewann er anschließend das ATP-500-Turnier in Barcelona und erreichte danach ein weiteres Masters-1000-Halbfinale in Madrid. Cincinnati kam daher keineswegs aus dem Nichts. Bis August hatte Fils bereits mehrere Monate lang bewiesen, dass er sowohl auf Hartplatz als auch auf Sand in stark besetzten Turnieren weit kommen kann.
Seine Saison wirkt noch beeindruckender, wenn die Unterbrechungen berücksichtigt werden. Die Rückenverletzung, die bei den French Open 2025 aufgetreten war, war schwerwiegend genug, um ihn monatelang außer Gefecht zu setzen, und ein Rückkehrversuch im späteren Verlauf des Sommers erwies sich als verfrüht. Nachdem er seine Saison Anfang 2026 neu aufgebaut hatte, erlitt Fils während der europäischen Sandplatzphase einen weiteren körperlichen Rückschlag. Eine Hüftverletzung hinderte ihn an der Teilnahme an Roland Garros, und er kehrte erst kurz vor Wimbledon wieder zurück. Vor diesem Hintergrund ist seine Leistung in Cincinnati auch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Sie kam von einem Spieler, der keine reibungslose und ununterbrochene Vorbereitung genießen konnte. Bis zum 24. August wies die ATP für Fils im Jahr 2026 eine Matchbilanz von 32 Siegen bei 10 Niederlagen auf, obwohl er sowohl die Australian Open als auch Roland Garros verpasst hatte. Mit einer solchen Quote zu gewinnen, während man mehrfach den Wettkampfrhythmus neu aufbauen muss, spricht für ein grundsätzlich gestiegenes Leistungsniveau.
Auch in Bereichen, die Fils früher anfälliger machten, sind deutliche Fortschritte zu erkennen. Seine Vorhand und seine Athletik waren schon immer auffällig, doch 2026 gelang es ihm besser, eigene Aufschlagspiele zu schützen und den richtigen Moment für offensive Schläge zu wählen. ATP-Statistiken rund um Cincinnati zeigten, dass er einen höheren Anteil an Punkten nach seinem zweiten Aufschlag gewann als im Durchschnitt seiner bisherigen Karriere. Dadurch gab er seinen Gegnern weniger häufig die Möglichkeit, früh die Kontrolle über Ballwechsel zu übernehmen. Noch wichtiger für Zuschauer ist jedoch, dass sein Tennis inzwischen weniger von permanent spektakulären Schlägen abhängig wirkt. Fils kann den Ball weiterhin mit enormem Tempo von der Grundlinie beschleunigen, ist aber zunehmend bereit, einen Ballwechsel aufzubauen, bei Bedarf zu verteidigen und auf die richtige Angriffschance zu warten. Dadurch wird er über den Verlauf eines gesamten Turniers schwerer zu bespielen. Die Zusammenarbeit mit dem früheren Wimbledon-Sieger Goran Ivanisevic in seinem Team während der Saison 2026 verschaffte Fils zudem Zugang zu einem Trainer mit umfassender Erfahrung in großen Matches und im Umgang mit dem Druck, der auf Spitzenspielern lastet.
Warum Fils nun ernsthaft um große ATP-Titel mitspielen kann
Fils hat inzwischen eine Bilanz aufgebaut, die sich nur schwer weiterhin als bloßes Versprechen abtun lässt. Seinen ersten ATP-Titel gewann er 2023 in Lyon, als er gerade einmal 18 Jahre alt war. Im Jahr 2024 folgten ATP-500-Titel in Hamburg und Tokio. Im Hamburger Finale besiegte er Alexander Zverev, während er in Japan Ugo Humbert in einem rein französischen Endspiel bezwang. Barcelona wurde im April 2026 sein vierter Titel auf der Tour, Cincinnati anschließend sein fünfter. Diese Erfolge gelangen ihm sowohl auf Sand als auch auf Hartplatz, was für jeden Spieler mit Ambitionen oberhalb einer Spezialistenrolle entscheidend ist. Fils besitzt genügend Schlaghärte, um auf schnellen Hartplätzen dominant aufzutreten, doch seine Beweglichkeit und Geduld ermöglichen ihm auch auf Sand ein hohes Niveau. Bis Ende September 2026 führte ihn diese vielseitige Konstanz auf die bislang beste Weltranglistenposition seiner Karriere: Platz 9. Der Sprung in die Top 10 mit 22 Jahren macht einen Spieler nicht automatisch zu einem künftigen Grand-Slam-Champion. In Verbindung mit Titeln auf ATP-500- und Masters-1000-Niveau entsteht jedoch eine deutlich stärkere Grundlage für solche Erwartungen.
Sein Spiel enthält außerdem viele Eigenschaften, die für Erfolge bei großen Turnieren erforderlich sind. Fils ist körperlich stark, bewegt sich für einen Spieler mit derart offensiver Ausrichtung ausgesprochen gut und ist bereit, die Initiative in Ballwechseln selbst zu übernehmen, statt auf Fehler des Gegners zu warten. Seine Vorhand kann die Richtung eines Ballwechsels sehr schnell verändern, während der verbesserte Aufschlag ihm häufiger erlaubt, Punkte nach seinen eigenen Vorstellungen zu beginnen. Auch gegen hoch platzierte Gegner wirkt er zunehmend sicher. Allein 2026 musste er auf seinen Wegen in Indian Wells, Miami, Madrid und Cincinnati immer wieder gegen Spieler antreten, die an späte Runden großer ATP-Turniere gewöhnt sind. Diese Erfahrung ist wichtig, weil Titelchancen nicht nur davon abhängen, in einem einzelnen Match gegen einen bekannten Gegner außergewöhnlich gut zu spielen. Die stärksten Spieler müssen innerhalb einer Woche denselben Standard gegen mehrere gefährliche Kontrahenten wiederholen können. Cincinnati lieferte bislang den klarsten Beleg dafür, dass Fils genau dazu in der Lage ist.
Seine Entwicklung verdient auch deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil sie in einer Phase stattfindet, in der die Spitze des Herrentennis außergewöhnlich hohe Maßstäbe setzt. Jannik Sinner und Carlos Alcaraz haben ein Niveau etabliert, das nur wenig Raum für Schwankungen lässt, während Spieler wie Alexander Zverev, Ben Shelton, Alex de Minaur, Taylor Fritz und weitere Konkurrenten dafür sorgen, dass bereits der Einzug in die späteren Runden großer Turniere äußerst anspruchsvoll bleibt. Ein junger Spieler wird nicht allein wegen seines Talents Teil dieser Gruppe. Er benötigt entsprechende Resultate gegen dieselbe Konkurrenz. Fils verfügt inzwischen über genügend solcher Ergebnisse, um zur erweiterten Gruppe jener Spieler gezählt zu werden, die ein Masters-1000-Turnier gewinnen können, wenn sie ihre beste Form erreichen. Cincinnati beantwortete eine der wichtigsten offenen Fragen, denn Fils hat nun bewiesen, dass er ein vollständiges Turnier auf diesem Niveau erfolgreich abschließen kann. Offen bleibt, ob ihm der nächste Schritt gelingt und er die absolut besten Spieler auch dann regelmäßig gefährden kann, wenn diese selbst nahe an ihrem Maximum spielen.
Was ihn noch von Sinner, Alcaraz und der etablierten Spitze trennt
Die Begegnungen mit den allerbesten Spielern liefern einen nützlichen Maßstab. Fils erreichte im Februar 2026 das Finale in Doha, wurde dort jedoch von Carlos Alcaraz mit 6:2, 6:1 besiegt. Einige Monate später stand er im Halbfinale des Masters in Madrid Jannik Sinner gegenüber. Auch dort war der Unterschied deutlich, Sinner gewann 6:2, 6:4. Diese Niederlagen schmälern die Entwicklung von Fils nicht. Schon das Erreichen dieser Turnierphasen kurz nach einer langen Verletzungspause war bemerkenswert. Sie zeigen jedoch, warum ein einzelner Masters-Titel ihn noch nicht automatisch auf eine Stufe mit den beiden führenden Spielern seiner Generation stellt. Sinner und Alcaraz haben die Fähigkeit entwickelt, gerade am Ende der größten Turniere ihr Niveau anzuheben und offensiven Gegnern die Bedingungen zu nehmen, unter denen diese ihr bestes Tennis spielen können. Fils hat gezeigt, dass er zahlreiche hervorragende Spieler dominieren kann. Noch hat er jedoch nicht bewiesen, dass ihm dies regelmäßig gegen jene Männer gelingt, die derzeit den Maßstab an der Weltspitze setzen.
Grand-Slam-Tennis bleibt ebenfalls die größte offene Frage. Das beste Major-Ergebnis von Fils bis Oktober 2026 ist weiterhin sein Einzug ins Achtelfinale von Wimbledon 2024. Dort setzte er sich zunächst in einem schwierigen Fünf-Satz-Match gegen Roman Safiullin durch, bevor sein Lauf gegen Alex de Minaur endete. Seither wurde seine Grand-Slam-Planung immer wieder durch Verletzungen erschwert. Die Ermüdungsfraktur im Rücken zwang ihn bei Roland Garros 2025 nach der zweiten Runde zum Rückzug, die Australian Open 2026 verpasste er während seiner Rehabilitation vollständig, und eine weitere Verletzung hielt ihn auch von Roland Garros 2026 fern. In Wimbledon kehrte er im Sommer zurück, gewann sein Auftaktmatch, verlor jedoch anschließend in der zweiten Runde gegen Matteo Berrettini. Nichts davon deutet darauf hin, dass Fils nicht das Spiel für ein Major besitzt. Es zeigt vielmehr, dass er bislang nicht genügend gesunde und ununterbrochene Grand-Slam-Erfahrung sammeln konnte, um als einer der führenden Favoriten bei diesen Turnieren zu gelten.
Die US Open 2026 lieferten den deutlichsten Hinweis darauf, dass Erfolg auf Masters-Ebene und Beständigkeit bei Grand Slams zwei unterschiedliche Herausforderungen darstellen. Nur acht Tage nach seinem Triumph in Cincinnati traf Fils in der ersten Runde in New York auf Stefanos Tsitsipas. Der Franzose gewann den ersten Satz und lag im zweiten mit einem Break vorne, doch mit zunehmender Dauer verlor er Energie und Kontrolle. Tsitsipas drehte die Partie und gewann 4:6, 7:6, 6:1, 6:4. Fils erklärte später, dass sein Energielevel abgesunken sei und es ihm nicht gelungen sei, dieses wieder anzuheben. Die Niederlage war auffällig, weil das Tennis, das ihn in Cincinnati zum Titel getragen hatte, noch sehr präsent war. Dennoch bestrafte das Best-of-Five-Format seinen Leistungsabfall deutlich härter. Damit Fils bei Grand Slams zu einem echten Favoriten wird, muss er solche körperlichen und mentalen Schwankungen über längere Matches besser kontrollieren und diese Belastung anschließend über sieben Runden hinweg wiederholen. Das ist eine andere Aufgabe als der Gewinn eines Masters-Turniers, selbst für einen Spieler, dessen bestes Niveau bereits hoch genug ist, um nahezu jeden Gegner unter Druck zu setzen.

Die nächste Aufgabe für Arthur Fils ist Konstanz statt Potenzial
Bis Anfang Oktober 2026 hatte sich die Diskussion um Fils grundlegend verändert. Die Frage lautete nicht mehr, ob er genügend Talent besitzt, um die Top 10 zu erreichen. Dies hatte er bereits geschafft, als er Ende September auf seine Karrierebestmarke von Platz 9 kletterte. Ebenso wenig war es noch sinnvoll zu fragen, ob er ein großes ATP-Turnier gewinnen kann, denn Cincinnati hatte darauf eine eindeutige Antwort geliefert. Unklar bleibt vielmehr, wie häufig er dieses Niveau wiederholen kann. Die besten Spieler unterscheiden sich vom Rest der Top 20 nicht nur durch ihr höchstes Leistungsniveau, sondern vor allem durch die Häufigkeit, mit der sie späte Turnierphasen erreichen. Fils‘ Saison 2026 umfasste ein Finale in Doha, ein Viertelfinale in Indian Wells, Masters-Halbfinals in Miami und Madrid, einen ATP-500-Titel in Barcelona sowie den Masters-1000-Triumph in Cincinnati. Für einen 22-Jährigen ist das eine bemerkenswerte Sammlung an Ergebnissen, insbesondere nach einer langen Verletzungspause. Der nächste Schritt besteht darin, solche Turnierläufe zu einem normalen Bestandteil seiner Saison zu machen und nicht nur zu einzelnen Höhepunkten.
Seine Ergebnisse nach Cincinnati unterstreichen beide Seiten dieser Bewertung. Das Erstrundenaus bei den US Open war enttäuschend, doch Fils reagierte während der Asien-Tour und ließ nicht zu, dass ein schwaches Ergebnis den Rest seines Jahres bestimmte. Bei den Japan Open in Tokio, wo er bereits 2024 den Titel gewonnen hatte, besiegte er zunächst seinen französischen Landsmann Luca Van Assche und anschließend am 2. Oktober Tiafoe mit 6:3, 7:5. Dieses Ergebnis war besonders hilfreich für die Bewertung seiner Entwicklung, da Tiafoe auch sein Gegner im Cincinnati-Finale gewesen war. Der erneute Sieg zeigte, dass der frühere Erfolg nicht von einem einzigen außergewöhnlichen Tag abhängig gewesen war. Im Viertelfinale von Tokio endete sein Lauf am 4. Oktober, als Valentin Vacherot ihn mit 7:5, 4:6, 6:4 besiegte. Fils hatte in diesem Match Möglichkeiten, konnte diese aber nicht in einen weiteren tiefen Turnierlauf umwandeln. Für einen Top-10-Spieler war es eine vergleichsweise gewöhnliche Niederlage, und gerade deshalb liefert sie gemeinsam mit dem deutlich bedeutenderen Cincinnati-Erfolg eine hilfreiche Perspektive.
Auch die gesamte Masters-Saison 2026 verdeutlicht, welches Niveau Fils erreichen möchte. Sinner dominierte den ersten Teil des Jahres und gewann Masters-Titel in Indian Wells, Miami, Monte-Carlo, Madrid und Rom, während Shelton das Turnier in Kanada gewann, bevor Fils anschließend in Cincinnati triumphierte. Vor diesem Hintergrund ist der Durchbruch des Franzosen bedeutsam, reicht aber allein noch nicht aus, um die Hierarchie an der Spitze des Herrentennis grundlegend zu verändern. Dafür müsste er innerhalb derselben Saison bei mehreren dieser Turniere um Titel spielen und vor allem regelmäßig in der zweiten Woche von Grand Slams vertreten sein. Seine körperliche Verfassung wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Zwei Spielzeiten, die durch Rücken- und Hüftprobleme beeinträchtigt wurden, haben bereits gezeigt, dass dauerhafte Einsatzfähigkeit nicht selbstverständlich ist. Wenn Fils über ein vollständiges Jahr hinweg gesund bleibt, dürfte sich die Zahl seiner Möglichkeiten deutlich erhöhen, sich mit Sinner, Alcaraz und dem Rest der Weltspitze zu messen.
Ist Arthur Fils bereits ein Anwärter auf die größten Titel?
Stand Oktober 2026 hängt die treffendste Antwort davon ab, um welche Art von Titel es geht. Auf Masters-1000-Niveau ist Fils bereits ein ernsthafter Kandidat. Das ist keine Prognose mehr. Er hat Cincinnati gewonnen, im selben Jahr die Halbfinals in Miami und Madrid erreicht und starke Ergebnisse gegen etablierte Top-10- und Top-20-Spieler erzielt. Seine Leistungen sowohl auf Hartplatz als auch auf Sand bedeuten außerdem, dass seine Chancen nicht auf einen kleinen Abschnitt des Kalenders begrenzt sind. Bei einem weiteren Masters-Turnier wäre es inzwischen vollkommen nachvollziehbar, ihn zu den Spielern zu zählen, die das Finale erreichen und den Titel gewinnen können. Selbst eine schwierige Auslosung würde diese Einschätzung kaum verändern, denn Cincinnati zeigte, dass er mehrere anspruchsvolle Matches nacheinander erfolgreich bestreiten kann und nicht darauf angewiesen ist, dass die besten gesetzten Spieler früh ausscheiden.
Auf Grand-Slam-Ebene sollte die Bewertung dagegen vorsichtiger ausfallen. Fils verfügt über die körperlichen Voraussetzungen und die offensive Qualität, um bei einem Major weit zu kommen, doch die bisherigen Ergebnisse rechtfertigen es noch nicht, ihn auf eine Stufe mit Sinner, Alcaraz oder anderen führenden Grand-Slam-Favoriten zu stellen. Seine einzige Teilnahme an der zweiten Woche eines Majors bleibt Wimbledon 2024, während seine Turniere in den Jahren 2025 und 2026 immer wieder durch Verletzungen beeinträchtigt wurden. Auch die Niederlage bei den US Open unmittelbar nach Cincinnati zeigte, wie schnell ein scheinbar günstiger Matchverlauf im Best-of-Five-Format kompliziert werden kann. Das bedeutet nicht, dass ein zukünftiger Grand-Slam-Durchbruch unwahrscheinlich wäre. Es zeigt lediglich, dass die Beweislage auf dieser Ebene noch nicht so überzeugend ist wie bei Masters-Turnieren. Ein nachhaltiger Lauf bis ins Viertelfinale oder darüber hinaus würde die Diskussion deutlich verändern, weil er zeigen würde, dass sowohl sein Spiel als auch sein Körper die längere Belastung über mehrere hochklassige Matches hinweg bewältigen können.
Cincinnati markierte dennoch einen echten Wendepunkt in der Karriere von Arthur Fils. Mit 22 Jahren verfügt er über fünf ATP-Titel, Erfolge bei ATP-500-Turnieren auf unterschiedlichen Belägen, einen Masters-1000-Titel und einen Platz unter den besten zehn Spielern der Welt. Einen großen Teil davon erreichte er, nachdem er wegen einer schweren Rückenverletzung monatelang nicht antreten konnte und 2026 erneut mit einer Unterbrechung umgehen musste. Diese Kombination aus Ergebnissen, Alter und Widerstandsfähigkeit macht ihn zu mehr als nur einem vielversprechenden jungen Spieler. Er gehört bereits zu jener Gruppe unmittelbar hinter den Spielern, die derzeit die größten Turniere dominieren. Der verbleibende Abstand ist weiterhin beträchtlich, insbesondere bei Grand Slams. Doch inzwischen lässt er sich anhand konkreter Ergebnisse messen und nicht mehr nur anhand von Potenzial. Cincinnati hat nicht bewiesen, dass Fils eines Tages mehrere Grand-Slam-Titel gewinnen wird. Es hat etwas Konkreteres gezeigt: Wenn er gesund ist und sein bestes Tennis spielt, besitzt er bereits das Niveau, um eines der wichtigsten Turniere der ATP Tour zu gewinnen und von der etablierten Weltspitze ernst genommen zu werden.